Nur zwei Begriffe der Bibel lassen auf ein ewiges Feuer schließen : Gehenna und der feurige Pfuhl. Die Gehenna ist das südlich der Stadt Jerusalem liegende Tal Ben Hinnom ( Gehenna, griechisch für das hebräische Ben Hinnom ), in dem die Juden täglich ihren Müll und Unrat abluden und verbrannten. Es war für sie ein abscheulicher Ort : von Würmern zerfressener Unrat, Feuer und Gestank.
Diesen Müllplatz benutzten Jesaja ( Jes. 66, 24 ) und Jesus ( z. B. Mt. 5, 27-30 ) als Gleichnis für das Gericht Gottes. Jesus rief seine Zuhörer auf, die Sünde zu lassen, damit sie nicht auf dem “Müllplatz der Geschichte” landen. Natürlich verstanden sie sein Gleichnis sofort, während wir heute durch die Übersetzung “Hölle” ein falsches Bild erhalten.
Johannes verwendet in der Offenbarung den Begriff feuriger Pfuhl . Dieses Wort hat die Vorstellungen von der Hölle am meißten geprägt. Die Offenbarung wurde jedoch in Bildern geschrieben. Man darf sie nicht buchstäblich verstehen. Auch der feurige Pfuhl ist nur ein Bild. Deutlich wird dies in der Aussage, dass auch der Tod und sein Reich in den Pfuhl geworfen werden. ( Offb 20, 14 ).
Die Bilder feuriger Pfuhl und Gehenna meinen das Gleiche. Sie sind der außerhalb Jerusalems liegende Ort des brennenden Unrats. Dort wird alles Böse der Weltgeschichte vernichtet: alle gottlosen Menschen, Mächte und Organisationen (z.B. das Tier und der falsche Prophet - Bilder für Mächte), Satan mit seinen Dämonen und schließlich auch der Tod und das Grab - die großen Feinde des Lebens - werden am Ende der Zeit auf dem “Müllhaufen der Geschichte” verbrannt. Die Welt wird damit für immer vom Bösen befreit. Das ist der zweite Tod (Offb 20,14). Zahlreiche Texte zeigen, dass die Gottlosen am Tag des Gerichts vernichtet werden und nichts mehr von ihnen bleibt (z.B. Jes 47,14; Mal 3,19.21; Ps 37,2ff.; Ps 145,20; Ob 15.16; Offb 20,9). Sie leiden also nicht ewig.
Oft entsteht der Einwand: Der feurige Pfuhl brenne doch “von Ewigkeit zu Ewigkeit” (Offb 20,10). - Hier scheint also ein Widerspruch zu den oben erwähnten Texten zu bestehen. Was meint Johannes mit diesem Ausdruck?
Im Griechischen steht hier das Wort Äon. In anderen Bibeltexten wird es mit Welt übersetzt (z.B. Gal 1,4 - Jesus errettet uns von dieser bösen Welt). Es kann auch Zeitalter bedeuten. - Luther übersetzte Offb 20,10 jedoch mit von Ewigkeit zu Ewigkeit und bestärkte damit die Idee ewiger Qual. Hätte er das Wort wie im Galaterbrief übersetzt, wäre die Aussage kar gewesen:
Wir leben jetzt in einer von Sünde und Leid geprägten Welt, in einem gottlosen Zeitalter. Wenn Jesus alles Böse vernichtet hat, wird er eine neue Welt schaffen, die kein Leid mehr kennt. Zwischen diesen beiden Abschnitten der Zeit - zwischen der sündigen und der neuen Welt - brennt der feurige Pfuhl: Von einem Zeitalter zum anderen, von einer Welt zur anderen. Wenn aber das Böse zu Asche (Mal 3,19.21) geworden ist, wird das Feuer erlöschen. Auf der neuen Erde wird nichts mehr zu finden sein, das an die alte, von Sünde und Leid beherrschten Welt erinnert - auch keine Schmerzen und keine Qual mehr. Es ist alles neu geworden, wie Johannes schreibt.
Siegfried Wittwer